Geleefutter für Wasserschildkröten 

(SACALIA 2005 6 (3))

A. Budischek

1.  Einleitung

Obwohl es bereits viele verschiedene Variationen von selbst hergestelltem Futter für Wasserschildkröten gibt (Artner 1998, Hackethal 1998, Müller 1987), habe ich mich entschlossen ein neues Rezept zu erstellen. Zum einen sollte es dem heutigen Stand  der artgerechten Ernährung genüge tragen (Pfau & Wiechert 2003)  und zum anderen war mir an einer einfachen und schnellen Herstellung gelegen. Die bisher bekannten Rezepte orientierten sich fast ausschließlich an einer karnivoren Ernährung der Tiere. Diese ist jedoch nach heutigem Wissenstand bei den meisten Wasserschildkrötenarten, besonders bei adulten Tieren, nicht besonders naturnah. Angebotenes Grünfutter wird bei den von mir derzeit gehaltenen Tieren (Chrysemys picta, Sacalia quadriocellata, Sacalia bealei, Deirochelys reticularia, Mauremys japonica, Chinemys nigricans, etc.) jederzeit gerne angenommen und bietet eine Abwechslung zum bis dato angebotenen Schildkrötenpudding. Weiteres scheint mir eine Verwendung von Rindfleisch, wie es in vielen Rezepten verwendet wird, außer bei speziellen Arten (z.B.: Geierschildkröte, Macrochelys temminckii) nicht angebracht. Das vorliegende Rezept wurde daher mit einem Schwergewicht an vegetarischer Kost hergestellt. Da das Futterangebot in freier Wildbahn sehr abwechslungsreich ist, sind die entsprechenden Zutaten nur beispielsweise zu sehen und werden bei jeder neuen Zubereitung etwas abgeändert. Die pflanzliche Kost kann bei einigen Arten auch in Richtung Obst angereichert werden (z.B.: Sacalia) . Die Gesamtmenge von nur 2 l ist für jeden einfach herstellbar und lagert nicht monatelang im Gefrierschrank. Die Gesamtkosten für dieses Geleefutter betragen rund 20 €.

 

2. Zutaten für ca. 2 Liter

·        375 g Fisch; nicht ausgenommen (z. B: Forelle; bitte vermeiden: Fettfische *)), alternativ können auch Muscheln, Schrimps, Schnecken, etc. statt eines Teils des Fisches verwendet werden.

·        700 g pflanzliche Kost, hier zu je 50% Spinat und Karotte, es kann aber alternativ auch  z.B.: Löwenzahn, Wegerich, Rucola, usw. verwendet werden; entweder passiert oder sehr klein geschnitten.

·        1 Ei

·        250 ml Milch

·        60 Blatt Gelatine

·        25 g Korvimin® ZVT+Reptil (es kann auch ein ähnliches Vitaminpräparat verwendet werden, Mengenangaben lt. Herstellerinformation)

·        1 Säckchen (4 g) rote Lebensmittelfarbe (E124); bekommt man in der Apotheke

·        1 Teelöffel Weizenkeimöl, Distelöl, Olivenöl oder ähnliches

·        400 ml Wasser

*) Fettfische: Als "Fettfische" werden vorwiegend in der Küche Fische bezeichnet deren Fettanteil besonders hoch ist. Meist handelt es sich dabei um Fische der Ordnung Isospondyli. Zu ihnen zählen wirtschaftlich sehr bedeutende Speisefische wie beispielsweise: Äschen, Hechte, Heringe, Lachsfische, Renken, Fellchen oder Maränen und Stinte.

 3. Zubereitung

Zur Zubereitung benötigt man zwei Töpfe , einen mit ca. 1-2 Liter und einen mit ca. 3 Liter Fassungsvermögen:

1.    In den kleineren Topf gibt man die 400 ml Wasser und die 60 Blatt Gelatine. Diese muss erst einmal quellen.

2.    Nun schneidet man den Fisch in kleine Stücke, ebenso das Grünfutter. Diese Zutaten faschiert man nun entweder in einem Fleischwolf oder wie in meinem Fall mit einer Küchenmaschine mit Hackmesser. Ich hacke stets auf höchster Stufe bis die Zutaten zu einem Brei zerkleinert sind. Das ganze kann in mehreren kleinen Portionen erfolgen (je nach Fassungsvermögen der Küchenmaschine).

3.    In den größeren Topf gibt man zuerst das Ei, die Milch, das Korvimin® und ein Teelöffel Weizenkeimöl.

4.    Jetzt kommt der Brei in den größeren Topf. Alle Zutaten werden gut gemischt.

5.    Beide Töpfe werden nun gleichzeitig unter ständigem Rühren langsam erhitzt.

6.    Wenn sich die Gelatine vollständig verflüssigt hat und beide Töpfe rund 40°C haben, wird die Gelatine in den größeren Topf eingerührt. 

7.    Noch einmal gut durchmengen und in die vorbereiteten Behälter füllen.

8.    Im Kühlschrank ca. 2 Stunden abkühlen lassen, herausnehmen, bei bedarf noch schneiden und dann in den Gefrierschrank geben.

 

Zum Füttern nimmt man die benötigte Menge an Geleefutter, lässt diese 10 min. antauen und schneidet sie dann noch halb gefroren in kleine Würfel. Diese lässt man komplett auftauen und kann sie dann verfüttern. Wenn es auch auf den ersten Blick einfacher scheint die Tiere ausschließlich mit dem Geleefutter zu füttern, rate ich dennoch davon ab. Es ist für die Schildkröten sicher besser zusätzlich noch etwas Abwechslung auf dem Speiseplan zu haben. Die Abänderung der Zutaten ist jedem selbst überlassen. Ich empfehle hierzu die genaue Studie der Dissertation von Markus Baur (2002).

 

4. Danksagung

Ich bedanke mich bei allen Freunden, die mir mit ihren zahlreichen Tipps und Ergänzungen zu diesem Thema geholfen aben.

5. Literatur

Artner, B. (1998): Eine neue Variante des Gelatinefutterpuddings für Wasserschildkröten. - Emys, 5 (3): 20-22

Baur, M. (2003): Untersuchungen zur vergleichenden Morphologie des Gastrointestinaltraktes der Schildkröten. - Frankfurt am Main (Edition Chimaira), 383 pp. 

Hackethal, U. (1998): Schildkrötenfutter - die Qual der Wahl? - Journal der AG Schildkröten, 7 (1): 21-22

Müller, G. (1987): Schildkröten. - Stuttgart (Eugen Ulmer Verlag), 214 S.

Pfau, B., & J.  Wiechert (2003): Gedanken zur Fütterung von Wasserschildkröten. – Emys, 10 (4): 4-50

Veröffentlicht am 5.11.2004

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2004; Internationale Schildkröten Vereinigung